Frank H”rnigk. "Christoph Hein." In Literatur der Deutschen  Demokratischen Republik: Einzeldarstellungen. Vol 3. Ed. Hans Jrgen Geerdts i.a. Berlin: Volk und Wissen / VE Verlag, 1987. Pp. 101-116. 106. "Die Rigorosit„t, mit der in einem solchen Sinne Geschichte befragt wird, leitet sich ab und ist gerechtfergtigt aus einem Verst„ndnis ber die Funktion des Dichters als Historiker, fr den Geschichte `Gegenstand einer Konstruktion ist, deren Ort nicht die homogene und leere Zeit, sondern die von Jetztzeit erfllte bildet'. "Heins Anmerkung, daá das `Interesse an der englischen Geschichte das Interesse auf uns ist', entspricht eben diesem Grundverst„ndnis literarischer Widerspiegelung von Wirklichkeit (geschichtlicher wie gegenw„rtiger) und tangiert, den besonderen Fall berschreitend, zugleich die anderen dramatischen Versuche des Autors." 108. [Re: Ah Q.] "Die Szene wird zu einem grotesken Bild. In seinem Mittelpunkt: die satirisch aufgedeckten Defekte sozialer Haltungen bei den verhandelten Figuren des Stckes. Sowohl AhQ als auch sein Freund Kr„tzebart Wang sind in ihren angenommenen Rollen auáerstand, das Dilemma ihrer sozialen Existenz selbstkritisch aufzuarbeiten. Als bloá meditierende Kopf- Arbeiter haben sie auáerhalb ihrer Welt des reflektierenden Scheins nichts zu sagen." 109. "Weder der Autor noch seine Helden haben eine die eigene, selbst„ndige Mitarbeit des Publikums ersetzende Botschaft, die lediglich zu verknden w„re: `Sie sollen sich selber was denken', beruhigt Wang den verzweifelten AhQ, der die Menschheit anrufen, ihr etwas Groáes, ein `berw„ltigendes Gefhl' mitteilen m”chte -- und dem nichts einf„llt." [The Mitarbeit Hein expects is purely a matter of thinking about the possible meanings of the text/play. This seems to imply that the problems are set up, and are non-tentative, but that the solutions to the problems are withheld or not possible to state, and that the activity of the reader is the filling in of these gaps with interpretations. Thus the questions posed constitute the determinate meaning of the text, which also allows for the limited play of ambiguity within this frame. This is a structure begging to be deconstructed, Frank.] "Christoph Heins `Geschichte des Ahq' ist in diesem Sinne ein Angebot fr Realisten, kein Kunstprodukt, in dem nur Realit„t vorkommt. Das Stck ersch”pft sich nicht darin, die wissenschaftliche Erkenntnis einer Gesellschaft lediglich mit knstlerischen Mitteln noch einmal vorzustellen oder zu illustrieren, sondern will seinen Auftrag vielmehr in Richtung auf einen Dialog zwischen Theater und Zuschauer verstehen, will mittles Phantasie M”glichkeiten zur Erhellung gesellschaftlicher Widersprche erkunden. Hier liegt seine ureigene Wahrheit und hierin bestehen die wesentlichsten Bezge zu den anderen Theaterarbeiten Heins. Alle diese Texte wehren sich gegen einen allzu leichten Zugriff, verlangen Co-Produktion, das heiát Lust an der `Rckbersetzung' des Theatergleichnisses in die eigene Lebenswirklichkeit von Menschen -- um deren Ver„nderung es geht." 110. [Re: EZLB.] "Das hier aufgenommene Wirklichkeitsabbild hat eine andere Struktur als das der Stcke. Das Gemeinsame liegt allenfalls, wie Peter Haacks es beschrieb, in der besonderen und bergreifenden Hochachtung vor der Wirklichen. Nur die Wahrnehmung dieser Haltung, nicht aber der prim„re Vergleich der unterschiedlichen M”glichkeiten, sie anzueignen, kann auf Dauer der in diesem Sinne auch einheitlich aufzufassenden poetischen Nachricht dieses Autors gerecht werden." 111. "Das `Album Berliner Stadtansicht', ebenfalls aus dem ersten Erz„hlband, baut auf eben diesem Grundansatz von Prosa auf -- und erweitert ihn zugleich. Ins Bild gebracht werden nach den historischen `Berhmtheiten' Racine, Humboldt und Kleist nun auch Namen, Shicksale und Begebenheiten, die sie von vornherein auf Unbekanntes, Allt„gliches zielen, einer erinnerten oder beobachteten Geschichte ber Menschen, die durch Literatur aus ihrer Anonymit„t herausgehoben werden. Es sind kleine Geschichten von groáer Eindringlichkeit und Verallgemeinerbarkeit. Peter Hacks nennt sie in seiner Laudatio: `Einmalige Vorf„lle, keine unvergeálichen, [. . .] durch Wahrheit groá.' Als Erz„hlungen gengen sie sich selbst, stehen fr sich -- und verweisen doch schon auf Zuknftiges." [I.e., DFF.] [A major question here is what "Wirklichkeit" and "Wahrheit" can possibly mean, if anything. The question is particularly interesting in reference to Ah Q, which has as part of its title the word "Wahre" -- what is this doing here?] [Contiguous.] "Die 1983 erschiene Novelle Der fremde Freund k”nnte als eine m”gliche Form ihrer Aufhebung gelesen werden: in dem konsequent durchgehaltenen poetischen Bild eines in seinen Alltagsbeziehungen scheinbar perfekt funktionierenden Lebenskonzepts ist -- gleichsam als Untertext -- eine Dimension sozialer Erfahrungen und Widersprche mit eingeschrieben, die die Provokation des besonderen Falles, seine kritische Beurteilbarkeit, m”glicherweise auch moralische Ablehnung, weit bershcreitet. Heins Prosa begngt sich auch hier nicht mit Ableitungen, l„át sich nicht lediglich auf eine Verst„ndigung ber das pers”nliche Betroffensein und Versagen einer Figur in den sie umgebenden Verh„ltnissen reduzieren, sondern hinterfragt durch sie diese Verh„ltnisse selbst." 112. "Henry, der fremde Freund, wird zum Objekt solcher `Unverletzlichkeit' -- und in seiner Rolle zugleich zum Beleg der Ausweglosigkeit und Krise einer individuellen Existenz, die mit der Unf„higkeit, Gefhle aufzubauen, immer weiter in die Richtung zunehmender Vereinsamung und Sprachlosigkeit treibt, schlieálich in v”lliger Bindungslosigkeit endet." 113. [Absolutely necessary to ask FH about this term "funtional understanding of literary work" -- what history of criticism in the GDR does this refer to?] "Kenntlich wird hierin erneut ein Funktionsverst„ndnis literarischer Arbeit, das sich -- wohl noch entschiedener als in den frheren Arbeiten Christoph Heins -- gegen jede Vorstellung einer auf bloáe Belehrung reduzierten Aufkl„rungsabsicht wendet: der Autor ist nicht klger als der Leser, lautet eine der wesentlichsten Konsequenzen dieses Ansatzes; Ziel ihrer Kommunikation kann also allein ein Dialog Gleichgestellter ber gemeinsam als wichtig erkannte Fragen sein; kein Fall der Unterweisung, sondern eine Probe kollektiver Selbsterfahrung, in der die Deutung des besonderen literarischen Bildes dem Leser als Arbeit abverlangt wird. Das schlieát die Stellungnahme, den Standpunkt des Autors nicht aus. Er ist hier in der textimmanenten Distanz zu der Ich-Erz„hlerin deutlich aufgehoben, wird fr die Rezeption durchl„ssig gemacht sowohl in der Wahrnehmbarkeit des bewuát auf Verfremdung zielenden Kunst-Spiels (in dem ein Mann die Geschichte einer Frau erz„hlt und dabei selbst ausspricht, wovon er annimmt, daá es eine Frau sagen wrde) als auch in der Art und Weise, wie dieses Kunst-Spiel (Sprechen) immer mehr zu einem Masken-Spiel wird, an dessen Ende das Warnbild einer endgltigen Erstarrung steht: die Maske, die sich der Ich-Erz„hlerin ins Fleisch geschnitten hat, ist ihr zur zweiten Haut geworden." [Narrative detachment becomes thematized here as parallel with Claudia's detachment. The analog between author/narrator and narrator/narrator's mask is fascinating -- the alienation implied byt the male author writing a female voice is particularly clever as a justification for this arrangement, which otherwsie makes little sense. The position of the reader as judge, deliberator is not explicitly explained in this connection, though. We are warned by the alienation depicted, threatened by it, but there is more to be said about this. The most promising fact to follow out is that the story inspires anything but detachment on the part of the reader -- how does it do this? How peculiar, that perfect detachment should be so distressing, so overwhelming in its emotional impact on the reader, who is, after, just reading, and is by definition detached from the necessities depicted fictively in the text.] Hornigk 114. [FH takes a positive view of the central memory in DFF -- it suggests that Claudia may be on the way to self-criticism and self-improvement. Very questionable, but certainly relevant to the matter of the occasion of the narrration -- why it happens at all. This is where my horn can be blown -- death is figuratively powerful in this narrative, a symbol for life not lived. Claudia's life appears to her in sharp relief when illuminated by the congenial, appropriate light of death. The book is really most macabre, but also so typical!] "Daá der Versuch [Claudias nach sich selbst] letztlich dennoch scheitert, spricht nicht gegen seine Probe. Fr die Leser, fr Christoph Hein selbst wird er zu einem sinngebenden Zentrum, zur Chance weiterfhrende M”glichkeiten." [Perhaps this only refers to the possibilities that Hein opens up for the reader -- not to any hypothetical extension of Claudia's life experiences. Best to ask FH about his. It is not clear to me why the failure of C's attempt at imagining herself should imply hope on the reader's part. Hope for whom?] 114. Horns Ende provides an accurate picture of everyday life in the GDR in the 50s, according to FH. He compares it to "Berliner Stadtansichten." He also emphasizes what a moving symbol of human tragedy and persistence at living we get in the Gohl story. 115. "Der Tod Horns wird so zu einem Teil erlebter Wirklichkeit, bleibt wichtig als Symptom dabei auch erfahrener, nicht verdr„ngbarer Verletzungen und Selbstverletzungen der sozialistischen Gesellschaft, die aufgearbeitet werden mssen, aber auch aufgearbeitet werden k”nnen." [This seems to be stretching the meaning of "lived experience" rather far -- it is lived only in the sense that the reader is alive when experiencing -- reading -- it. More is meant than this, though. Ask FH.]