H. Haase, W. Hartinger, U. Heukenkamp, K. Jarmatz, J. Pischel, D. Schlenstedt. "DDR-Literaturentwicklung in der Diskussion." Weimarer Beitrage, 30, 10 (1984): 1589-1616. [Rundtischgespr„ch.] 1589. [Haase.] ". . .es geht nicht um eine Staatsaktion, sonder eigentlich darum, ob die Tatsache der Herausbildung neuer gesellschaftlicher Strukturen, neuer Beziehungen zwischen den Menschen, neuer Pers”nlichkeitsqualit„ten unter den Bedingungen der Entwicklung in unserem Lande sich auf die Literatur ausgewirkt hat. . . . [Jaja, aber wir h”ren nichts ber die prez„se Einigkeiten von diesen "Tatsachen."] 1590. [Haase.] "Die DDR-Literatur unterscheidet sich nach meiner Meinung von allen anderen Epochen der deutschen Literatur vor allem dadurch, daá sie sich bewuát als spezifisches geistig- kultureles Organ der Gesellschaft in einem Prozeá der revolution„ren Umw„lzung und der planm„áigen Gestaltung des gesellschaftlichen Zusammenlebens formiert hat." Also, the change in the economy has changed the book market, and done away with the division between high literature and trivial literature, by means of changing the expectations of both writers and readers. 1590-91. [Jarmatz.] "Der Geist eines k„mpferischen Antifaschismus hat bis heute auf unsere Literatur eingewirkt. Verbunden damit wuchs eine neue Schrifstellergeneration heran, fr die die Eintritt in die DDR-Literatur zugleich verbunden war mit der Abrechnung mit dem Faschismus und der literarische Erkundung des neuen sozialen Zusammenlebens, das sich auf dem Boden der DDR als konsequente Alternative zu bisherige deutscher Staatspolitik herausbildete. Autoren wie Strittmatter, Brezan, Kant, Christa Wolf, de Bruyn, Max Walter Schulz, Noll, [1591] Deicke, Kohlhaase, Rcker, G”rlich . . . ." 1591. "Heute mssen wir schon die Frage stellen, wie sich dieses DDR-Spezifische auf den neuen sozialistischen Gesellschaftsgrundlagen fortbildet, ob neue Momente hinzukommen. Die DDR-Literatur, selbst Ausdruck der Herausbildung einer sozialistischen Nation auf deutschen Boden, ist zugleich auch ein aktiver Faktor fr das neue nationale Selbstverst„ndnis der DDR." [A dialectical move -- literature becomes a historical agent.] 1591. [Schlenstedt.] DDR-Literature displays a whole range of differences from its predecessors, "Das zeigt sich etwa in der Bedeutung, die die Ver„nderungen im Bereich der Arbeit, im Bereich des Verh„ltnisses zur Arbeit in ihr erlangt hat -- zumindest fr einen groáen Teil dieser Literatur und fr einen langen Abschnitt ihrer Entwicklung. Auch heute, in erneuten Ver„nderungen, wirkt dieser Bezug als Hintergrund, als ideeler Raum von M”glichkeiten. Man k”nnte weitergehen und sagen, daá ganz eigene Angriffspunkt der Wirksamkeit dieser Literatur gebildet wurden, Versuche konstruktiver Mitarbeit in dieser Gesellschaft hier, die von Literatur best„tigt werden soll, kritisiert werden soll, mit ver„ndert werden soll." 1592. "Die DDR-Literatur der sechziger Jahre zum Beispiel war entscheidend daran beteiligt, DDR-Selbstbewuátsein zu entwickeln. Man braucht nur an ein Paar Bcher zu denken, um das Gewicht dieser Funktion zu begreifen, an den Geteilten  Himmel, an Ole Bienkopp, an Die Aula. In dem Maáe, wie sich die Literatur den spezifischen Problemen dieses Landes erkunend zuwandte, hat sie auch eine internationale Wirksamkeit erlangt." [Within a context of "globale Widersprche".] "Diesen Zusammenhang setzen sozialistische Autoren mehr und mehr ins Zentrum." [Of what?! This would be news in America!] "Ich frage mich da auch, ob der Begriff, mit dem Konstituierungsprozesse dieser Literatur gut beschreiben werden k”nnen, der Begriff `Nationalliteratur', noch recht passen will. Literaturgeschichtliche Kategorien haben, wie man da sieht, ihre eigene Historit„t. Anders geseagt: Interessanter, als das spezifisch nationalliterarische Element dieser literatur herauszuarbeiten, ist es vielleicht heute zu wissen, was sie in allgemeinem Bewuátsein reflektiert oder produziert." 1592-93. [Haase.] [Faschismus againas major thread.] "Was die nationale Komponente anbetrifft, so sollten wir uns erinnern -- Alfred Klein hat das krzlich getan, und Joseph Pischel hat hier das Problem [1593] schon berhrt --, daá unsere Literatur zun„chst antrat mit der Zielstellung (bei Becher, Brecht, Anna Seghers und anderen ist das sehr deutlich), eine groáe antifaschistisch-demokratische Literatur in ganz Deutschland zu entwickeln." Influence of other socialist literatures important, also. 1593-94. [Jarmatz.] [Two generations of DDR writers discernible: 50s-60s, 70s-80s.] "Fasse ich es einmal ganz summarisch, so lebte die frhe DDR-Literatur von einem groáen Gesellschaftsentwurf (denken wir an Bechers Reich des Menschen). Sie hat damals uns alle aktiviert, das Leben zu „ndern. Heute erkundet Literatur, was diese gesellschaftlichen Ver„nderungen fr das Zusammenleben bis jetzt erbracht haben. In den bedeutenden Werken unserer Literatur bleibt das jedoch nicht nur im bloáen Rahmen DDR, bleibt das nicht provinziell, sondern wird verbunden mit welthistorischen Blickpunkten. Ich finde, die DDR-Literatur hat da wichtige Impulse fr heute zu geben, wo sie Menschheitserfahrung in unser Heute einfgt, wo sie Wertvorstellungen, Werte, die die Menschheit sich im Verlauf ihrer langen Geschichte erworben hat, auf ihre Brauchbarkeit im Sozialismus hin untersucht. Dabei leuchtet die Literatur den menschlichen Emanzipationsprozeá, der mit der sozialistischen Revolution einsetzt, pr„ziser aus. Zugleich kommt damit in die Literatur aber auch wieder eine neue Dynamik, eine gewisse Widersprchlichkeit von miteinander `streitenden' Literaturkonzepten. An dem, was ich meine, haben mehrere Autoren Anteil: Christa Wolf mit Kein Ort. Nirgends und ihrer Kassandra, Erwin Strittmatter mit den beiden letzten B„nden seiner Wundert„ter-Trilogie, einigen Erz„hlungen und jngst mit seinem Laden, der gerade in dieser Beziehung ein wertvolles Buchist, Volker Braun mit seinem Groáen Frieden und seinem Dmitri, Stephan Hermlin mit seinem Abendlicht und mit seinen Essays, Hermann Kant mit seinem Aufenthalt und mit seinen Reden, Max Walter Schultz mit seinen beiden Novellen Der Soldat und die  Frau und Die Fliegerin. [This is a slightly different generation gap from the one H”rnigk believes in; perhaps my sense of the common ground of Wolf and the later writers is defensible. They all seem to be actively critiquing the social conditions and positing solutions, in spite of age differences. If there are differences, they are subtler than merely that between Aufbau and Critique. Or one could cast these people as transitional.] "Gleichzeitig hat der DDR-Literatur nicht aufgeh”rt, ein spezifisches Nationalbewuátsein DDR mitzupr„gen. Nicht zuletzt tut sie das, indem sie untersucht, wie, unter welchen Widersprchen und Konflikten sich der `neue Mensch' wirklich herausbildet, sie tut das, indem sie die Dialektik des Sozialismus einsichtig macht. Und darin gibt es manche Korrespondenz zu der groáen und bedeutenden Sowjetliteratur der jngsten Zeit. Auch sie zeigt ja, daá der neue sozialistische Mensch sich wirklich herausbildet, daá das aber auch ein langer historischer Prozeá ist, der viel dynamischer und widersprchlicher ist, als vorausgedacht, und der sich zudem mit Vorg„gen der ganzen bisherigen Menschheitsgeschichte verknpft." [Interesting to see a reference nowadays to the "new man" business -- so that still is in the air, and these people are taking it seriously. Do the writers see it the same way? Does Christoph Hein see himself as helping to build the New Man? Are these the terms in which the writers view their critiques of society?] 1595. [Hartinger.] Earlier German progressive literature also an influence on DDR literature -- "`Inseln' menschlicher Identit„tsfindung.'" 1596. [Heukenkamp.] "Ich denke auch, daá die DDR-Literatur, gerade die der letzten zehn Jahre, spezifisch ist, wodurch sie auch nach auáen wirkt, so auch mit Themen, die jetzt international wirksam sind -- wie zum Beispiel offenbar unsere Frauenliteratur, die die ja wirklich nur aus dem Kommunikationsraum DDR zu erkl„ren ist, ebenso dem Gefhl ihrer Verantwortung. Denn sie ist fast ungebrochen davon berzeugt, daá Literatur fr Humanismus zust„ndig ist, was nicht berall so ungebrochen geteilt wird. [Hence DDR literature shares common ground with international humanistic concerns, but is more aware than some other literatures of the effectiveness of literature in such areas.] "Ich denke, daá mindestens mit dem Beginn der sechziger Jahre die DDR-Literatur ihre Qualit„ten eigentlich aus dem klassisch-humanistischen Erbe entwickelt. So ist die Vorstellung von der Selbst verwicklichung, die Christa Wolf vertritt, viel st„rker dem Denken ab Werther oder einem romantischen Denken geschuldet, als daá an einen Anschluá an die proletarisch-revolution„re Kunst oder die Experimente Brechts zu denken w„re. Die DDR-Literatur schlieát sich eher an das humanistische Denken, an die Individualit„tskonzepte, an die Literatur das einzelnen an, als an die Vorstellung, daá Kunst sozusagen unter die leute gehen muá. Trotz Bitterfeld kennzeichnet die DDR-Literatur, daá Schreiben und Lesen doch getrennt sind, und wo der eine eben schreibt. Das wird sogar wieder st„rker -- Schriftsteller treten wieder auf als Tr„ger einer Botschaft. Der Gedanke, der in der proletarischen Kunstentwicklung wirkte, daá das Machen nicht gesondert sein darf vom Rezipieren, wird eigentlich nicht fortgesetzt. Eine der Eigentmlichkeiten der DDR-Literatur als sozialistischer deutscher Literatur liegt im Anknpfen an die Individualit„tsentwrfe in der Klassik und der frhen Romantik. Das zeigte schon die Erbedebatte der sechziger Jahre, und das wird auch innerliterarish deutlich, denn Schrifsteller wie Christa Wolf sind diesem Denken eigentlich sehr verpflichtet. Auch an Becher und Brecht in den fnfigen Jahren w„re hier zu erinnern." [This is excellent and text-based, for a big fat change. Heukenkamp is much less of an ideologue, here at least, than the others. Rather than sounding the antifacist and pro-soviet gongs, she points out the obvious centrality of the SELF in DDR lit. This is a strongly worded quote which can definitely be used. All that remains unanswered here is the genetic aspect -- why is DDR lit this way?] 1596. [Hartinger.] Defends the ideological point of view, tries to integrate Heukenkamp. ". . . in der jngeren Entwicklungsphase unserer Literatur (sp„testens seit Ende der sechziger Jahre) verst„rkt der freien Entwicklung des einzelnen, also auch den Individualit„tsentwrfen der Klassik nachgefragt werden kann unf muá " 1597. [Haase.] Mr. Anti-fascist again; H. gives a too one- sided view of DDR lit and its links to tradition. Antifascists like Sakowski, Baierl, Neutsch, G”rlich, Braun cited as carriers-on of te Brecht and Bredel tradition of proletarian lit. The anti-fascist current has been carried on recently by Seghers, Hermlin, Kant. 1597-98. [Pischel.] Two main currents to be discerned: the anti-fascist tradition and the Aufbau of socialism, and the coming to terms with the cultural inheritance. 1598. "Ich sehe wie Hartinger eine solche Besonderheit in der Neigung zum Reflektieren. In einer Diskussion mit Lehrern fiel das Wort von der `philosophischen Kopfl„stigkeit.' Die Literaturkritik wertet diese Neigung meist nur unter wirkungs„sthetischem Gesichtspunkt: als Angebot zur sch”pferischen Koproduktion des `zustandigen' Lesers'. Das bleibt unbestritten, wenn man weiter fragt, ob nicht auch bestimmte nationalliterarische Traditionen, die ja in bestimmten Konsequenzen deutscher Geschichte begrndet waren, eine Rolle spielen. Unbestreitbar ist die DDR die radikale šberwindung des `Irrwegs der Nation', und Denken und Praxis, Geist und Macht fallen nicht mehr auseinander und stehen gegeneinander." [Thus we are warned not to reduce reading to a matter of mere coproduction, but to cling to a notion of the writer as guide and teacher? This uneasiness with the idea of the reader as an equal seems similar to what H”rnigk said.] 1601. [Jarmatsch.] [Interesting dismissal of H”rnigk's generational division as a well-known cliche.] ". . . ich wollte hier pl„dieren, noch st„rker zu beachten, daá wir das Blickfeld etwas breiter nehmen mssen, wenn wir uns ber Spezifika dieser Literatur als einer nationalen verst„ndigen. Das m”chte ich vor allem auch fr die jungen Autoren in Anspruch nehmen. Sie werden sehr einseitig festgelegt, wenn wir sie jetzt nur mit dieser Formel `hineingeboren in eine fr sie als nicht mehr ver„nderbar zu erfassende Welt' definieren wollten. So verstehen sie sich durchaus nicht alle." Authors mentioned in support of this claim: lyric poets Mensching, Wenzel, Klaus Peter Schwarz, Grundermann, Uta Mauersberger, Grnedberger, Rump. ". . . sie wollen als Sozialisten die Welt auch fr sich mit einrichten, sie stellen sich in den Widersprchen im Sozialismus, sie stellen sich aber auch den K„mpfen in unserer Zeit." [This whole thing is a straw man argument: nobody has said that some authors are simply fatalists , or that anybody born after the war is writes in a fatalistic, essentially non-critical, non-dialectical way.] 1602. [Heukenkamp.] [On the disappearance of the hero in recent DDR lit.] "Ich m”chte noch auf die Frage nach den Helden, die bei uns gesucht werden, eingehen. Ich denke, daá das auch etwas ist, was die DDR-Literatur als Eigenes ausgebildet hat und auch noch weiter ausbildet, zum Teil eben nicht so spektakular und vielleicht zun„chst unauff„llig, aber es gint ein ziemlich durchgehendes und hartn„ckiges Bestreben, groáe und auch von der Tradition berlieferte Ideale gewissermaáen umzusetzen auf eine andere soziale Schicht und auf andere Verhaltensweisen, und zwar auf arbeitende Menschen. Von den stillen proletarisachen Heldenfiguren, die Anna Seghers in ihren Romanen Die Entscheidung und Das Vertrauen zeichnete, geht, meine ich, eine Linie weiter bis zu Irmtraud Morgners Hauptfigur Laura, mit der diese proletarischen Heldeigenschaften in einem anderen Leben und in anderer sozialer Welt ausprobiert und spezifisch verwirklicht hat. Nicht wenige Autoren fragen nach dem Mut im Alltag, nach dem Durchhalteverm”gen, nach den Werten eines unspektakul„ren Daseins. Darin finde ich eine Qualit„t von DDR-Literatur, daá sie die Verwirklichung der Ideele nicht mehr an groáe Helden oder Figuren bindet, die ihre Voraussetzungen in sozialen Privilegien haben, wo sich bestimmte soziale Konflikte nicht stellen." 1603. [Haase.] [Hein naturally comes up at this point. A thought, though: would the agony evinced by the readers in the DDR of DFF be repeated in a society less dedicated to putting on a good face no matter what the reality? It will be useful to check the BRD reviews, etc. And is America the same way, also glossing over its faults, or is it fundamentally different?] "Ist es doch so, daá gerade bei den jngeren Autoren, in deren Werken Probleme des Alltags reflektiert werden, und zwar sehr kritisch, im Untergrund und Hintergrund in starkem Maáe bestimmte Wertorientierungen und Ideale vorhanden und ausgepr„gt sind, die den kritischen Akzent solcher Literatur wesentlich mitpr„gen, und das ist nun eben etwas Eigenes und bei uns Gewachsenes. Ich wrde hier auch durchaus Christoph Heins Der  fremde Freund einordnen wollen, weil hinter dieser sich sehr nchtern und sachlich gebenden Darstellung Elemente von Idealen durchaus immer parat bleiben und die Darstellung mitbestimmen." [Agrees with McKnight's reading of the novel.] 1604. [Hartinger.] [Generational shift from reflection of reality to exploration of values, meanings.] "Literarische Werke der siebziger Jahre haben sich wesentlich in Analysen des wirklichen, allt„glichen Lebensprozesses versucht, haben bisherige Lebensweisen und Lebenskonzeptionen problematisiert und verabschiedet." "Da sich -- auch durch jene Literatur -- inzwischen herumgesprochen hat, daá Leben -- auch im Sozialismus -- kompliziert zu bew„ltigen ist, fragen sich Leser heute, wie es unter komplizierteren Bedingungen zu meistern ist, fragen sie nach dem Sinn, nach der Wahrheit des Lebens. Sicher weckt die Artikulation von Sinnverlusten Abwehrkr„fte -- Texte Heiner Mllers, Christoph Heins, Uwe Saegers verstehen sich in dieser Warnfunktion --, dennoch kann der Wunsch nach Erkundung lebbarer Werte im Alltag nicht bersehen werden." [This approach is cited as characteristic of the 80s.] In addition to Hein, Brezan's Bild des Vaters cited as case of the use the "`Negativbild'": "`Von dem, was fehlt.'" 1604-05. [Schlenstedt.] [Objection to this attempt to explain Hein as a producer of pleasant pictures of Alltagsleben. Note S's quotable coinage.] "Ich stimme zu, daá eine Tendenz unserer Literatur in Versuch zu sehen sein wird, Werte im Alltag in positiver Darstellung zu Beleuchten, n„her zu bringen, zu neuem Nachdenken zu unterbreiten -- etwa Brezans Bild des Vaters zeugt davon. Vieles andere kann ich aber in dieser Tendenz beim besten Willen nicht unterbringen. Ich denke nur an Heins Der  fremde Freund [1605], ein ganz wichtiges Buch, das sicher auch vieles von diesem anderen zusammenfaát und berholt. Hier sehe ich den hervorragenden Ausdruck einer anderen Tendenz, die ich am liebsten als `sozialistischen kritischen Realismus' bezeichnen m”chte. Kritischer Realismus -- darunter verstehe ich Verfahren knstlerische Darstellung, die ihre Werte nicht positiv ausstellt, sondern siezu bedenken gibt, indem sie Defizite vorstellt, Bilder, hinter denen das steckt, was gewnscht, erhofft wird, die die Phantasie mobilisieren, aber offen sind fr konkrete Erfllungen an positivem Gehalt. H„ngt nicht damit die Ver„nderung des Heldentyps zusammen, wie sie im Vergleich zu frherer Literatur zu beobachten ist?" [This is a completely contrary interpretation of the literary scene -- rather than idealization of the ordinary which nonetheless remain close to experienced reality, we get thoroughgoing moral polemics, cast ironically or ambiguously in negative form, the experienced reality being purely in the service of the ideal which would require changing that reality. One kind of literature glorifies, or tries to, the world as it is, the other denounces it. One is affirmative, the other critical. It would be interesting to trace this latter tendency back a bit; after all, it isn't really so new, since we get the same level of ambiguity in Johnson, and the same critical intent. Likewise Kunze? Maybe. One could neatly follow the history of literary persecutions in the GDR using the same books in the same tradition. The idealization of everyday life, Lebenshilf, looks suspiciously like old-fashioned Socialist Realism to me. The everyday is certainly a lot, but it isn't enough to make a story -- it isn't enough to make a life, either, which is Hein's point.] 1605. "Ich beobachte nun aber auch, daá in Teilen unserer literarischen Meinung diese Art von Literatur nur sehr z”gernd akzeptiert wird." "Die Kritik im `sozialistischen kritischen Realismus' ist Selbstkritik." 1606. [Jarmatz.] Another book in this grouping: Holtz- Baumert's Erz„hlung "Aber das Leben. . ." from his book Erscheinen Pflicht. [On Hein.] "Das Stellen der Fragen ist zugleich verbunden mit dem Probieren geigneter literarisher Modelle, die nicht selten zun„chst fr andere Zwecke hervorgebracht wurden. Daraus ergeben sich oft zus„tzliche Schwierigkeiten und Komplikationen. Christoph Hein arbeitet in seiner Erz„hlung Der fremde Freund mit einem vom kritischen Realismus bernommenen Modell, er gestaltet eine Figur, die eigentlich mit der Gesellschaft nicht zurechtkommt. (Ich sehe jetzt einmal davon ab, daá der Autor dieses Nichtzurechtkommen ein wenig gewaltsam motivieren muá.) "Schlenstedt: Die Figur kommt zurecht! "Jarmatz: Hein arbeitet jedoch eine andere Wertung seiner Figur heraus; ohne satirisch zu werden, kritisiert er die Figur, die sich eine L”sung fr sich zurechtmachen m”chte, eine L”sung, die indes keine sein kann. Der Autor kritisiert die Haltung der Figur. Mancher Leser mag sich aufgefordert fhlen, es nicht zu leicht zu machen, Zusammenh„nge zu durchdringen, einmalfr richtig angesehene Ideale zu bewahren." 1607. [Pischel.] [Linkage of Alltag to the exploration of the individual.] "Ich m”chte noch einmal auf die Ideale zurckkommen, die der „sthetischen Bewertung des Alltags zugrunde liegen. Ich habe gerade die Essays, die 1983 erschienen sind, daraufhin durchgesehen: von Christa Wolf, Franz Fhmann, Stephan Hermlin, Eva Strittmatter und Peter Gosse. Natrlich l„át die Zuf„lligkeit einer editorischen Jahresproduktion kaum Verallgemeinerungen zu, aber vielleicht doch ein paar Beobachtungen. Es f„llt auf, daá in allen Essays an zentralen Punkten ausdrcklich auf den reifen Kommunismus Bezug genommen wird, dessen Wesen immer wieder mit den berhmten Satz aus dem Kommunistischen Manifest als Assoziation bestimmt wird, `worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung fr die freie Entwicklung aller ist'." [The way in which brgerliche Schriftsteller differ from Sozialisten.] "Brgerliche Schriftsteller erwarten von ihrer Gesellschaft ja l„ngst nicht mehr, daá sie sich dem Ideal ganzer, emanzipierter Menschlichkeit, das die Menschheit in ihrer Geschichte geformt hat, auch nur ann„heren k”nnte." 1608. [Discussion of the relative merits of essays and novels in approaching complex ideas.] "Ein Roman ist oft klger, dialektischer als ein Essay, aber seine Wirkungen wohl auch reicher und ambivilenter. In Gespr„chen mit Studenten und Lehrern ber Heins Der fremde Freund beispielweise wurden erstaunlich alternative Reaktionen sichtbar, nicht zuletzt die Schwierigkeit, hier noch das Ideal auszumachen, von dem aus ein verfehltes Leben bilanziert wird." [Heukenkamp.] [Agreement about the variety of responses to this book.] Another example of similar effect adduced: M„rkischen  Forschungen by de Bruyn. "Wie solche Bcher in der Kommunikation wirken, h„ngt viel st„rker von den pers”nlichen Reaktionen des Lesers ab. Die Mittel sind auf ihn als einzelnen bezogen. Die Schreibweise aber ist berechnet auf den Kommunikationsraum DDR. Daher denke ich, daá unsere, die literaturkritische Art, mit dieser Literatur umzugehen, fr die breiter Rezeption nicht so ganz unwichtig ist." [Not clear to me why, here, the novel is so intimately tied to the conditions of life in the GDR.] [Schlenstedt.] Ich meine, wenn man Heins Buch aufmerksam liest, wird man bis in seine sprachliche Gestalt hinein finden, daá die Figur kritisch angelegt ist, dem kritischen Blick unterbreitet wird, daá das Buch die Frage stellt: Was sind das eigentlich fr Zust„nde, die Menschen so werden lassen, wie es die Darstellung zeigt? Daá die Heldin von einigen Lesern als Lebenshilfe interpretiert wird, als eine Art Beispiel m”glicher Lebenspraxis, ist, meine ich, eine groáe Provokation. Das ist etwas, was auáerordentlich bestrzend ist, es sagt aber mehr ber die Welt als ber das Buch." 1609. [Hartinger.] [On the problem of schooling readers in the proper reading of such a work.] The book provides clues about how it should be read, particularly the details of Claudias's childhood and past experiences, which account for her alienation to some degree: ". . . Daá eine Frau, die jede Kommunikation abwehrt, bereit ist, von sich und ber sich zu berichten, weist doch darauf, daá die Angst, allein bleiben zu mssen, die Motivation ist, wenigstens -- ber sich -- zu reden." The report lays bare the causes of this fear of isolation: "Da diese Selbsterkundung, die auf frhe Verletzung im Elternhaus und in der Schule st”át, gleichsam wider Willen geschieht, ist eine bewuáte Verarbeitung dieser Erfahrungen durch die berichtende Gestalt -- eine solche wrde ja Anstrengungen erfordern -- nicht zu erwarten . . . ." In spite of the narrator's claim to be just fine, the reader must achieve the appropriate critical distance to properly assess the available realities and solutions for Claudia's life. "Ein solcher Umgang mit dem literarischen Text muá allerdings -- auch auf Grund nachwirkender, also g„ngiger Rezeptionsverfahren -- gebt werden. Ich glaube, die Literaturwissenschaftler und die Mittler von Literatur (Bibliothekare, Lehrer und andere) stehen in den achtziger Jahren vor der auáerordentlichen Aufgabe, falsche, eingegrenzte Erwartungsmuster der Literatur gegenber abzubauen." Es bedarf "der Schulung der Leser." [Jarmatz.] DFF has been used as a club to beat the GDR with in the BRD press. [No specifics about the "Western interests" being served in such analyses.] 1614. [Hartinger.] [On the problems inherent in proceding too quickly from a political position to a critical one.] "Generell máten wir darber nachdenken, ob nicht die Literaturwissenschaft unseres Landes h„ufig zu schnell und zu linear von kulturpolitischen Konzepten auf das literarische Program der Autoren geschlossen hat -- als habe eine gewisse Enge der kulturpolitischen Strategie, der literaturtheoretischen Programmatik in den fnfziger Jahren von vornherein auch eine Enge des literarischen Horizonts bedingt." [A rather frank admission of the probelm of overpolitical reading.] 1615. [Pischel.] [On the best way to approach the history of GDR lit.] "Ich habe jedenfalls im literaturwissenschaftlichen Seminar die Erfahrung gemacht, daá das Interesse dann w„chst, wenn man die Geschichte der Literatur der DDR als Teil eines widersprchlichen Lernprozesses der sozialistischen Gesellschaft darstellt, in dem jede Phase wichtige Einsichten und Irrtmer, Ideale und Illusionen produziert, eines Lernprozesses, an dem wir heute noch beteiligt sind."