Bernd Fischer, Christoph Hein: Drama und Prosa im letzten  Jahrzehnt der DDR (Heidelberg: Carl Winter Universit„tsverlag, 1990). 6. Die kritische Literatur der DDR glaubte in den achtziger Jahre Jahren zu wissen, daá sie der Geschichte nicht standgehalten habe, daá auch in der DDR der intellektuelle Diskurs im kreisf”rmig erstarrten R„uber-und-Gendarm-Spiel, schlieálich wieder neu aufgelegten Endspielen der Geschichte erlegen sei und sich in der historischen Arena allenfalls mit Kunststckchen, mit intellektuellen Clownerien behaupten konnte. Ja, die Literatur hat eben diese Selbstdiagnose vielfach zu ihrem eigensten Thema gemacht. Das gilt vielleicht fr niemanden st„rker als fr Christoph Hein, der . . . das Scheitern des Intellektuellen in der Geschichte, auch und vor allem in der sozialistischen Geschichte, in all seiner traurigen Komik auf die Bhne und zu Papier gebracht hat." 7. More literary prizes: Westdeutscher Kritikerpreis (1983), Lessing-Preis (1989). 10. "Nimmt Hein einerseits (bis zum Ende der 80er Jahre auch in seinem literarischen Schaffen) kaum Anteil an der radikal- pessimistischen Kritik der technokratischen Fortschrittsrationalit„t in der industrialisierten Welt, die groáe Teile der DDR-Literatur seit den sp„ten 70er Jahren pr„gen (u.a. die Endspiele Heiner Mllers, eines von Heins dramatischen Lehrern), so greift er in diesem Essay [Maelzel's Chessplayer] doch auf zivilisationspessimistische Thesen zur Massenkultur zurck, die den westlichen Leser freilich nicht unbedingt als innovativ anrhren m”gen." [The treatment of Benjamin important, however.] 12-13. Hein is on the side of Adorno in the Maelzel-discussions discription of art's total cooptation by the market. 14. ". . .Heins Poesie [ist] in erster Linie zur Erfindung von Geschichte, zur poetischen Arbeit an der Geschichte geworden." [Re: his reponse to Benjamin]. 15. Hans Kaufmann (an establishment GDR critic) says that Hein's forms are tried and true, that there there is neither revolution of form or of content. But he recognizes the importance of Hein's claim that his messgae is not to have any message, and tries to play the significance of this down. (Kaufmann, šber DDR-Literatur. Beitr„ge aus fnfundzwanzig  Jahren [Berlin, Weimar, 1986), 231.) Author Erich Loest (in his Leipzig ist unersch”pflich. šber die  view Arten von DDR-Literatur heute; Paderborner Universit„tsreden [Paderborn 1985], 13f.) Sees Hein as a member of the very small group of GDR writers who were successful at publishing inside the country while always pushing the permissible forms a little further. The other groups he identified as "a) staatstreue Autoren, die in der DDR (mit Staatlichen Auflagen) ver”ffentlichen und sich weitgehend an die einschl„gigen Tabushalten (Mauer, 17 Juni, Pragkrise, Leistungssport, Armeedienst etc.); b) Autoren, die in der DDR leben, aber nur oder vor allem im Westen ver”ffentlichen; d) Autoren, die im Westen leben, aber noch ber die DDR schreiben." 19. In "Waldbruder Lenz," Hein cites three authors as models of anti-modish, detail-oriented, formally precise and innovative: Johann Peter Hebel, Lenz, and Sean O'Casey. 23-24. "Seit und w„hrend der Ereignisse im Herbst '89 hat Hein sich verst„rkt direkt politisch ge„uáert. Obwohl er weder Mitglied der SED noch einer der anderen alten oder neuen Parteien war und ist, wurde er in der nationalen wie internationalen politischen Berichterstattung der letzten Monate [24] dennoch zu einem der meist zitierten Autoren der DDR." 24. Hein was a member of the "unabh„ngigen Ausschuá zur Untersuchung von Korruption und Machtmiábrauch im Staats- und Parteiapparat, einem Brgerkommission, das erstmals in der DDR versuchte, Politiker und Funktion„re ”ffentlich zur Verantwortung zu ziehen." RE: CROMWELL 25. "Hein l”st die hermeneutische Problematik der Aneignung historischer Welten fr seine frhe Dramatik -- in šbereinstimmung mit seiner Betonung der Zeitgenossenschaft von Kunst -- weitgehend nach einer Seite hin auf. Alle gegenw„rtige Dramatik ist Gegenwartsdramatik. Das gilt auch fr das historische Drama und wohl auch fr die historische Prosa . . . ." [This is a version of "Wherever you go, there you are.] 26. In Cromwell, the frequent scene changes are reminiscent of Shakespeare, as well as the dramatists of the Sturm und Drang. "In Brechtscher Manier wird die Wahrheit der stets arbeitend dargestellten Bauern evoziert: eine revolutionsideologisch geleugnet und von den Bauern notgedrungen mit Gelassenheit ertragene Wahrheit, die besagt, daá die Mhen ihrer Klasse die revolution„ren Wirren berdauern werden, daá von erh”hten Kriegssteuern die Rede ist, wenn man von ihrer Befreiung spricht." "Cromwell selbst tr„gt nach Art des Kleistschen Kohlhaas' seine protestantische Arbeits- und Rechtsethik als alttestamentarisches Sendungsbewuátsein des strafenden und reinigenden Schwertes Gottes vor sich her." "In den Anachronismen wird der Anspruch augenf„llig, daá in diesem Stck die historiographische Begrifflichkeit, der sich die Sch”ne Illusion einer verstandenen Geschichtsperiode verdankt, selbst auf dem Prfstein steht. Denn das Klischee der kleinbrgerlichen Ideologie, mit dem die verschiedensten Ideologen des Stckes den jeweiligen Gegner beschimpfen, paát sich immer auffallend gut in die Situationen und Diskurse des historischen Schauspiels ein -- so gut, daá dieses Vokabular letztlich auch seines Zeitgen”ssischen Aussagewerts beraubt wird. Das materialistische Revolutionsschauspiel expliziert sein Geschichtsbild und stellt zugleich dessen ideologischen Voraussetzungen in Frage." 29-30. "Entsprechend wird auch seine Revolution auf konsequenteste Weise als eine Episode im Dienst der Macht vorgestellt, die in Heins paradigmatischer Inszenierung allerdings weniger historisches Handelskapital, sondern, und darin liegt dann doch eine innovative positive [30] Aussage des Stckes, Optimierung der Arbeit heiát." 30. "Daá gerade dieser Held als tragisches Werkzeug der politischen Umw„lzung im Dienste der Arbeit Verwendung finden kann, liegt nicht nur in den Intrigen des Handelskapitals, sondern vor allem in siener eigenen Ideologie, in seinem sich berpolitisch w„hnenden Puritanismus begrndet, der im Streit mit dem `dekadenten' Katholizismus genau das fordert, was die englische Gesellschaft zur Vervollkommnung des Gesetztes der Arbeit braucht." The atrocities and crimes that C. commits in the service of the revolution are all justified by the rigid ideology. 31. The Levellers must be set aside because "levelling" is not the most efficient organization of labor. 31-32. The "Aporien der sozialistischen Geschichtsschreibung" are "anachronistisch aufgebrochen und auf ein neues Moment organisiert . . ., von dem das Drama behaupten kann, daá es damals wie heute den materialen Kern jeder Revolutionsideologie ausmache: das historische Gesetz zur Optimierung der Arbeit." 33. "In dem Maáe, wie Cromwells Totalkur des Volkes im Namen der Arbeit, sich der Arbeit selbst entgegenstellt, reifen die PL„ne, seine Herrschaft durch die Rckkehr der Stuards [sic] zu beendigen. Cromwell weiá um das Scheitern seiner Revolution, begreifen kann er es nicht." "Die Psychologie des tragischen Helden ist zugleich die Psychologie des Statthalters der Macht, der dem historischen Gesetz zur Optimierung der Arbeit nicht gengen konnte; oder die Geschichte des Scheiterns der Idee ist zugleich die Geschichte des gescheiterten Verstandesdiktatur im Namen der Arbeit." RE: LASSALE 43. Hein described Lassalle as "`ein Stck Autobiographie'" .ú.ú. als ein Stck aus der Geschichte des Intellektullen in der deutschen Arbeiterbewegung, das die soziale und private Befindlichkeit des Autors noch heute betrifft." Play, aacording to Hein's essay on it, is about the transparency of the individual, the loss of individuality amid the driving forces of history, the real forces of power, and the ever- present bureaucracy. 35. Lassale's hope replaced by "verbissener Aktivismus". 35-36. "Die zentrale Empfindung, der es auszuweichen gilt und in die Drama Lassalle immer wieder auf komische Weise treibt, heiát Peinlichkeit. Die Existenz des Intellektuellen der Arbeiterbewegung ist in [36] erster Linie Peinlich. Peinlich ist jedes Gespr„ch mit den Arbeitern, peinlich ist die verzweifelte Behauptung eines groábrgerlichen Salons." 36 á. Herbert, the former servant of Bismark, doesn't suffer from Peinlichkeit -- he is possessed by Haá. German history has great stuff in store for him. 37. Hein's principle source for Lassale is Stefan Heym's Lassalle [novel] (2nd ed. Berlin, 1979). Scenes, character groups, themes and grotesque situations all borrowed from Heym. 40. The hateful Herbert and the people in power become allies at the end of the play; cf. Cromwell's fate. 40-41. Hein doubts that intellectuals can ever really lead a workers' revolution. RE: SCHL™TEL Re: Verdr„ngte Personen -- Very useful observation about "empty places" -- 42-43. "man hat sich lange zeit der Hoffnung hingege-[43]ben, daá die sozialistische Vernunft als konkrete Utopie die M”glichkeit berge, die Rationalit„t der Industrie an die Ansprche ihrer Charaktermasken auf unentfremdete Arbeit rckzubinden. Heins Stck dagegen verweist auf eine Entfremdung des Verstandes selbst, die sich aus den beiden ihm (zur Diktatur) notwendigen Ansprchen ergibt. Um es vorweg zu sagen, Hein bietet fr diesen Verstand keine Alternative. Was ihm im Drama entgegensteht an familialen und privated Arrangements des allt„glichenšberlebens mag anklagend auf die Gewalt des diktatorischen Verstandes verweisen und auf das Leiden an ihm, eine humane, zukunftstr„chtige Perspektive k”nnen ihm Kaninchenzucht, Butterkremetorte und Zweierbeziehung kaum entgegensetzen. So bleibt das, was mittels des Verstandes zu erreichen ist und doch zugleich von ihm zerst”rt wird, bis auf weiteres nichts als eine Leerstelle, die sich der Bennenung (zumindest durch die ideologisch dafr vorgesehenen Begriffe) notwendig entzieht. Vielleicht handelt es sich aber doch um mehr als um eine noch zu besetzende Leerstelle, vielleicht handelt es sich um nichts als einie Schim„re, die das Glck und Unglck des einzelnen z.B. im Namen einer politischen Perspektive ideologisch verfgbar macht, vielleicht handelt es sich um ein M„rchen ohne reale Utopie. Heins Drama geht diesen Schritt nicht, immerhin l„át es diese Frage zu." More, also useful ---- 43. Consequences of centralism for Schl”tel: "Zustimmung oder Ablehnung betreffen zwar Fragen der Taktik, liegen aber zugleich notwendig auáerhalb der Weltanschauung der Planung. Das nicht zu begreifen, macht den Idealisten des sozialistischen Verstandes zum Helden einer paradoxen, Don Quijotischen Tragikomik -- ein Held, der hirnwtig einer Idee von der sozialistischen Gesellschaft verfallen ist, die in der Realit„t dieser Gesellschaft ganz anders eingesetzt wird, als die Vernunft zu gebieten scheint." 44. For a good basic discussion of the notion of antagonistik and non-antagoinist contradiction see Wolfgang Schivelbusch, Sozialistisches Drama nach Brecht. Drei Modelle: Peter Hacks  -- Heiner Mller -- Hartmut Lange (Darmstadt & Neuwied: Luchterhand, 1974), pp. 39-44. 46. Hein's play allows real contradictions to shine through, ones that can't be reduced to "non-antagnistic" one and which can't be accounted for by official dogma at all. Art must go beyong the terms and categories provided by social science. "Die Konstruktion nicht-antagonistischer Widersprche geh”rt ins Reich der Ideologie, die nicht mit realer Geschichte und realen Schicksalen (also nicht mit den subjektiven Welten der handelnden Charaktere) rechnet, sondern mit ideologisch- historischen Konstrukten und gesellschaftlichen Baupl„nen, die fatal an die Bau- und Organisationpl„ne des Verwaltungshochhauses erinnern, das im Stck errichtet werden soll." 49. "Es geh”rt villeicht zu den beunruhigsten Momenten des Stckes, das die Figur, die ber den gr”áten Durchblick, die gelassenste Taktik und den lebenstchtigsten Humor verfgt, weder unter den Theoretikern des soziologischen Instituts noch unter den Arbeitern, noch unter den entmachteten Altkommunisten zu suchen ist, sondern in der Parteifhrung. Dort hat man begriffen, daá das Ideolgeme des nicht antoagonistischen Widerspruchs nicht nur ein Instrument des Planungsterror sowie der zentralistischen Zensur, sondern darberhinaus das Lebenselixir der Brokratie, das Glck und der Luxus des Brokratischen Anarchismus ist." [Cf. Kruschkatz!] RE: EINLADUNG 50. "Objectivism" a dirty word for Marxist critics; Hein accused of it, but Hacks claimed he was merely being respectful of the "real." My Marxist-Leninist dictionary defines Objectivism as the claim of neutrality, detachment, from events described. Its cousin is Subjectivism, its (virtuous) opposite Parteilichkeit. 51. "Diese frhen Texte verbergen die Handschrift des Dramitikers nicht und setzen zugleich die Errungenschaften der DDR-Prosa der 70er Jahre voraus, eine Prosa, der es unter Umgehung der offiziellen poetologischen und kulturpolitischen Vorgaben gelungen ist, einen Realismus zu schaffen, der den zentralen Konflikt von Individuum und Gemeinschaft mit streitbarem historischem Bewuátsein entfaltet und zu differenzierten psychologischen Ebenen vorst”át. Von Bobrowski stammt, wenn ich mich recht erinnere, der Satz: `die Darstellung der Verh„ltnisse im Kleinen und Allt„glichen vermag auch die Verfehltheit der gesellschaftlichen Struktur im Groáen zu zeigen.' Diese Beobachtungtrifft Heins Prosa wie kaum eine andere." 51-52. The central theme of the book is introduced by the title story "Einladung" -- "Die paradigmatische Problematik von legitimistischer und kritischer Potenz der Hofpoesie wird am konkreten historischen Beisspiel vorgefhrt." Fischer notes that this theme is familiar in GDR literature -- see Gundling's various representations. 53. [Re: Racine] "Was bleibt dem Intellektuellen am Hof auáer b”ser Ironie? So mischen sich Ohnmacht und Ironie zu einem spezifischen des Sich-Arrangieren-Mssens, das auch heute noch nichts an qu„lender Aktualit„t eingebát hat. 56. The conclusion of "Neuer Kohlhaas" is a deus ex machina not unlike the Brandenburger Urteil in the Kleist story -- neither alter the problematics revealed by the stories. 57. Some of the Stadtansichten resemble entries in Kleist's collection of anecdotes. 58. On trying to characterize Hein's prose style: it is politically distinctive, anti-ideological -- "Fragt man sich, worin eigentlich das Besondere dieses Stils besteht, wird man nicht umhinkommen, neben der Auflistung der ja keineswegs unbekannten Techniken das Prinzip ihres Einsatzes und Arrangements im politischen Gestaltungswillen des Autors zu suchen. Und da f„llt schon in dieser ersten Prosasammlung ein Ph„nomen ins auge, das nicht minder schwierig zu beschreiben ist. Meine Vorschl„ge gehen in folgende Richtung: Ich finde in Heins Prosa ein dezidiertes Gefhl fr die „sthetischen Grenzen der geschilderten Wirklichkeitsausschnitte, die zwar unter Umst„nden ihren paradigmatischen oder auch stereotypen Charakter nicht verbergen, aber dennoch nicht mit irgendwelchen theoretischen Diskursen (zumal politisch-ideologischer Art, die gleichwohl beim Leser erkennbar vorausgesetzt werden) belastet und damit verkrzt sind. Die Szene, der innere oder „uáere Monolog, der Dialog, die Gestik, die subjektive Beschreibung erreichen einen innovativen Wirklichkeitsgehalt, indem sie sich der Versuchung zur vorschnellen, pr„suppositionierten Vereinnahmung mit der Anspruch auf die Totalit„t des Konkreten entgegenstellen. Eben darum atmet diese Prosa trotz ihrer Genauigkeit ein hohes Maá an Offenheit, der es letztlich um die Befreiung des konkreten historischen Augenblicks aus den Engp„ssen der Ideologie und damit um die Eroberung eines erweiterten Verstehensraums geht. Heins Sprache ist schlicht, weil die Sprache der Ideologie und auch die sprachlichen Machtansprche der psychologischen, sozialen and historischen Theorie so vielf„ltig reich geworden sind." RE: DFF 63. Similarieties to Camus, Kafka, Bobrowski, Handke. 65. Keys seen to Claudia personality: her Katharina experience during the anti-religious campaigns, and the sexual taunts during PE. 66. The lyricism of the dream prologue compared to Nietzsche, Kafka, Celan. 68. Having observed that for Hein, art replaces religion, Fischer adds: "Kunst, auch die eigene, ist das verst”rende Zeichen des Mangels und zugleich die Beruhigung des Ersatzes." Hence Claudia's photography. 69. Fischer sees Claudia as a GDR Yuppie, minus the "Konsumwut" that serves as Ersatz for American Yuppies. RE: AH Q 71. Highly critical of Hein; in general, the play is found to be too present-specific, to much a one-dimensional parody of the GDR, compared with the universal description of the individual in history achieved by Lu Xun. ""[D]ie Moderne in dieser Dramatik [ist] letztlich nicht berwunden . . ., sondern als Zitatenschtz und Reibungsfl„che fr eingegrenzte Zwecke dient, die sich nicht unproblematisch an ihre poetische Welthaltigkeit anlehnen." Also compared unfavorably with Beckett, Godot. 72. For the original story, see Selected Works of Lu Hsun, Vol. 1 (Peking, 1956), 76-135. 76-77. Ah Q is a situation comedy, in the American style, built around its punch lines. 83. "Ah Q und Wang sind Angestellte der DDR. Ihre Dialoge erinnern bisweilen an Brauns Hinze und Kunze. Aber auch das muá uns von den Figuren selbst in einer Szene, die den Spielraum der Bhne durchbricht, erz„hlt werden, sonst wáten wir es nicht." RE: HORNS ENDE 94-95. Hein inserts into the mouths of various characters a "Bewuátseinstheorie" Fischer labels "hermeneutischer Konstruktivismus." 102-103. Spodeck, Horn, Kruschkatz, and Thomas all give versions ofthe same constructivist cognitive and historical theory. (I don't think this works.) 103. "Die politische Qualit„t dieser Ausfhrungen wird vor allem vor dem Hintergrund der Geschichts- und Erkenntnistheorie des Wissenschaftlichen Sozialismus der DDR deutlich, auf die die `verzerrten' Spiegelmetaphern anspielen. Angesichts der SED- Dogmen von gesicherten materialistischen Gesetzen des Geschichtsprozesses, die die im Roman problematisierte Forderung nach parteilicher Wissenschaft und Praxis im Namen der Geschichte legimitieren, angesichts einer Erkenntnistheorie, die sich als Widerspiegelungstheorie objektiver Daten definiert, kann die Provokation der resignativen Spekulationen ber Geschichte und Ged„chtnis, auf die Heins ungleiches Terzett sich implizit einigt, kaum bersch„tzt werden." The question then is what sort of practical actions one should take in the face of this pessimistic theory of consciousness. 104. Epistemology ultimately gives way to ethical choices, as Spodeck and Horn realize in their confrontation. "Wenn die drei intellektuellen Erinnerer sich in dem Konsens treffen, daá historisches Bewuátsein nie anders als Interessengeleitet denkbar ist, dann máte allemal die Einsicht m”glich sein, daá es auch bei der Frage nach historischer Wahrhit um die politische Aufgabe der Verst„ndigung ber das gegenseitige, gemeinsame und kontroverse Interesse geht. Daá solch ein Politikbegriff in den Aufbaujahren der DDR nicht einmal einen Artikulationsraum finden konnte, da das Interesse des Individuen, Schichten und Klassen erneut vom Staat usurpiert und interpretiert war, kann der Roman im Detail entfalten, indem er im kleinen und konkreten Erinnerungsbild auf die Leerstellen des noch nicht Interpretierten verweist." [It is worth noting that my Marxist-Leninist dictionary, in its definition of Objectivism, makes the same claim that Fischer says Hein is making -- all points of view are interested, none is truly objective. Hein is, as always, being the better dialectician; he is not attacking the theoretical Marxist tradition in which he was trained. Fischer ought to have pointed this out.] 106. "Die utopischen Momente des Romans h”ren genau da auf, wo Ordnung, Herrschaft und Politik beginnen, egal, welche Ideologeme sie auf ihre Fahnen geschrieben haben m”gen. Glck und Ethik gibt es hier nur im punktuellen Erlebnis des Miteinander oder in den anarchistischen Phantasien des Ausbrechens, denen z.B. der elfj„hrige Thomas anh„ngt. 107. Fischer says that the real problem with the Gypsies, from the government's point of view, is that by renting horses to the surrounding farmers, they enable them to resist joining the farm collectives. 108. Horn's death and the disposal of the Gypsies are connected, and they represent historic chances missed by the DDR. 110. Horn's suicide is another case of Schl”tel-style Hirnwt. It is at least partly his own fault. 112. Hein leaves open the usefulness of collecting those small details and fragments of truth, even though the grand constructions of truth falsify truth. [This of course reflects Hein's own practice as well.] RE: WALTER BENJAMIN 113. "Fr Walter Benjamin macht die M”glichkeit historischen Verstehens in der Arbeit am kleinen Detail einen Grundgedanken seiner Geschichtsphilosophie aus." "Es geht ihm um ein historisches Bewuátsein, das die domina[n]te Geschichtsschreibung, die immer eine Legitimation und Zelebration der Sieger der Geschichte ist, zumindest punktuell durchbrechen kann." [Source for this: Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, ed. Rolf Tiedemann & Hermann Schweppenh„user (Frankfurt, 1974), Vol. 5,1: 575.] 114. Marx had seen revolutions as the locomotive of world history. B. suggests the reverse: Revolution is a yank on the emergency brake of history. "Eine der unausgesprochenen Fragen von Horns Ende, an der sich die Erinnerer abmhen, lautet, ob das, was als die Revolution der DDR gilt, solch ein Griff nach der Notbremse h„tte sein k”nnen. Das sie es nicht war, gibt der Text auf allen Ebenen zu erkennen. Geschichtsphilosophisch erhofft Benjamin sich viel vom historischen Bruch, dem Stillstand der Geschichte im Neuanfang der revolution„ren Aktion." [Hein, like JD or any deconstructionist, rejects completely the possibility of such a Jahr Null. Hein seems to depart wholly from B.; but he uses B's dream of a real revolution, a Jahr Null, as a standard by which to judge putative revolutions like that of the GDR.] Benjamin's "Engel der Geschichte" (Vol. 1,2: 697). Clear basis in B. for Hein's claims about all drama being contemporary (Vol. 1,3: 1249). 114-115. B's messianic time is the moment of stasis when the juggernaut of history is halted. It will always resume, so the brake must always be pulled again. 115. "Anders als etwa das Telos der kommunistischen Gesellschaft zielt diese Theologie daruaf, die anstehende oder erhoffte Revolution aus der progressiven Dialektik der materialistischen Geschichte herauszuheben. Im Augenblick der Revolution kommt es fr den materialistischen Historiker darauf an, die Geschichte zum Stillstand zu bringen. Im Stillstand wird sie nicht l„nger als Moment der Progression begriffen, sondern im durchaus theologischen Sinn als Erl”sung. Ist dieser Gedanke einerseits zum realen und verh„ngniávollen Bestandteil des ideologischen Mythos' der sozialistischen Revolution geworden, so haftet ihm andererseits eine kognitionskritische Wahrheit an. Erst im Augenblick der revolution„ren Tat kann die Geschichte der Sieger unterbrochen und die Geschichte der Opfer begriffen werden." The characters in HE, Wang, Ah Q, and Claudia all are sitting in the train of history with the curtains drawn, unaware of their destiniation, unware and unconcerned about where the emergency brake is. Their framgmentary memories fail to construct a picture of history until they perceive themselves as its victims. [Seems tenuously argued.] "Gleichsam als Gegenpol zum Telos der messianischen Zeit wirft Benjamin den Gedanken der flchtigen, vorbeihuschenden historischen Erkenntnis im momentan aufblitzenden Bild oder in der unwillkrlichen Erinnerung in die Debatte. Damit kann die ERfahrung der Erl”sung gerettet werden, ohne daá der Anbruch der messianischen Zeit behauptet werden máte." (Vol 1,2: 695; vol. 1,3: 1247.) 116. Benjamin: "Mit dieser Bestimmung best„tigt sich die Liquidierung des epischen Momentes in der Geschichtsdarstellung. Der unwillkrlichen Erinnerung bietet sich -- das unterscheidet sie von der willkrlichen -- nie ein Verlauf dar sondern allein ein Bild. (Daher die `Unordnung' als der Bildraum des unwillkrlichen Eingedenkens)." (Vol. 1,3: 1243.) "Die Form des Heinschen Romans (wenn nicht Heins Žsthetik berhaupt) folgt dieser These, und seine Geschichtsphilosophen formulieren sie: Es gibt keine Wahrheit der Geschichte als Kontinuum, es gibt Wahrheit nur in der Willkr der Erinnerung aufblitzender Bilder. Wahrheit erreichen die erinnernden Historiker da, wo sie ihr Unglck und ihr Versagen begreifen, wo ihre unwillkrliche Erinnerung sie selbst in die Trasdition der Besiegten stellt, wo sie sich als Teil der Katastophe des Fortschritts erleben." [This seems strangely in contradiciton with the manifest conviction of Hein's that there are continuities in history, that it ius real and has its effects on individuals, but that it cannot be wholly perceived by any one person or any one method. The need to escape the ideological notionof mastery or control over history is well taken, but the main point made in HE seems different: it is a matter of how to act on one's knowledge of historical indeterminacy.] RE: PASSAGE 118. Benjamin the ultimate case of the failure of the intellectual in the field of historical action: "Die Frage nach dem Warum von Benjamins Freitod ist die Frage nach historischen Begreifen und historischer Wertung aus der Aktualit„t des Heute, und das Unbegriffene und auf Antwort Dr„ngende der Theroeie und Psychologie des historischen Intellektuellen umreiát das begriffslose Vakuum der Zeitgen”ssicher Aktualit„t verpflichteten Theorie und bennent das Versagen ihrer Psychologie." 119. Passage is full of cliches (familiar from bad books and films) that are here used to explode the received ways of understanding past and present. It is a deconstruction or skeptical parody of these conventions which must be escaped. The conventions or cliches Hein uses in the play include . . . -- the love between the proletarian anti-fascist and the village girl -- the cafe owner who keeps a few refugees in her back room -- the local farmers who releuctantly tolerate the refugees' presence while enjoying the exoticism of the situation -- the German communist who longs for conspirative action, doesn't realize that Stalin has failed him, and hopes for help from the USA -- the groábrgerliche Prague lady who now learns to cook and must make decisions independent of her husband -- the German-Jewish army officer who clings to his nationalist illusions of German identity, but at the last minute returns to his Jewish root s in a moment of danger. -- The mayor of the village who must keep one step ahead of the Gestapo, and eventually joins the resistance -- The anti-fascist heroine who through industry and good practicle sense conducts refugees to safety -- The German intellectual who lives only for his science, and who is both a puzzle and an object of esteem to the others 120. Benjamin's theory of monadological analysis and constructivist montage are placed in Frankfurther's mouth (see Benjamin, Vol. 5,1: 575). 121. Passage is a "Schlsseldrama" depending on our knowledge of B's theories. (Naja.) Benjamin himself discusses that "automatic" chessplayer and uses it as a symbol of so-called "historical materialism" -- so Hein stole it. (Vol. 1,2: 693.) 129. For Heins characters, as Benjamin predicted of the modern, administered state, "Geschichte wird weder gemacht noch begriffen, aber sie wird als qu„lendes Warten erlebt." 131. Benjamin does not invent the post-teleological notion of history -- he borrows it in large part from Hermann Lotze, Mikrokosmos: ideen zur Naturgeschichte und geschichte der  Menschheit: versuch einer Anthropologie. Vols. 2, 3 (Leipzig 1858, 1864). Fischer sees the conclusion of the play as an entry into fairy tale, offered as an alternative to the other available historical models. It is a way of returning to traditions that the Modern has dismissed. RE: TANGOSPIELER Hein may have gotten his Schopenhauer-reading pipe-fitter (among other things) from Wolf Biermann's Ballade vom Drainage-Leger  Fredi Rohmeisl aud Bukow (1962). 134. The regime wants machines, not men. (Echoes Dallow, who thinks his car serves him as a good example for conduct [23f]). 135-136. Rossler's advice to Dallow to forget about history and lookk to the future (T 40): "In diesem Rat-[136]schlag, den Dallow sich selbst l„ngst verordnet hat, steckt in nuce das Dogma des vorgestellten staatlichen Geschichtsbegriff." 139-140. Fischer misses most of the humor and all of the pathos in Rossler's fall. he thinks that Rossler simply missed the slogan of the day; but as Hein makes clear, he actually was relying on his rational, intellectual capabilities -- he falls because he thought logically and consistently, while the regime has been doing something else all along. He is a victim of his own ideology NOT UNLIKE SCHL™TEL!! RE: RITTER 143. Ritter first printed in TdZ, 1989/7: 55-64. Political and dramaturgical circumstances of its Dresden production described by Hartmut Krug, Heinz Klunker, Theater heute 1989/7: 23-26. Hein's play was reprinted in the same place. pp. 27-35. 144. The play makes clear what Ah Q was really waiting for: the Untergang: 145. Parzifal's suggestion to Orilus that we have to look for the grail in ourselves is a condensation of a major position of 70s GDR literature in particular. 147. "Wird die Suche nach dem Gral also auf irgendeine, noch unvorhersehbare Weise weitergehen? Heins Stck beantwortet diese Frage mit einem eindeutigen Ja, an dem einzig die Anspielung auf die drohende ”kologische Katastrophe ein Fragezeichen aufwirft. Denn die Suche nach dem Gral, so stellt sie sich nahezu allen Figuren gerade in ihrem erneuten Scheitern dar, ist nicht ein beliebiges Paradigma, sondern bezeichnet den Kern der philosophischen Struktur der abendl„ndischen Zivilisiation." 148. ". . . Die Suche nach dem Gral aufzugeben, von ihr ablassen zu k”nnen, hieáe mit der idealistischen, teleologischen Struktur der abendl„ndischen Zivilisation zu brechen. Dazu fehlt den Ritter der Tafelrunde nicht nur die Philosophie, sondern auch die Psychologie. Das weiá niemand besser als die Frauen." CONCLUSION 149. "Unter thematischen Gesichtspunkten lassen sich in Heins Werken bis 1989 vielleicht zwei Komplexe isolieren: die dramatische Auseinandersetzung mit Paradigmen der Revulotion und ihrer Intellektuellen sowie die prosaische Erkundung von Entfremdungserscheinungen im intellektuellen Alltag der DDR. Beiden Themenbereichen ist zumindest eine gemeinsame Tendenz eigen: die Enthllung und šberfhrung ideologischer Machtstrukturen, die Entwertung des philosophischen Schemas, das in der DDR wie in kaum einem anderen Staat deit der Aufkl„rung alle Erfahrungsebenen der Gesellschaft dominiert hat." [The themes could be otherwise construed -- individual (not intellectual) vs. history, for example -- sie Stadtansichten. For the ideological message, cf. Mller, even Wolf. This was a broad trend.] "Im Hintergrund des Heinschen Ideendramas, aber auch Teilen deiner Prosa (etwa Horns Ende)[,] steht ein Pl„doyer fr die kognitionskritische šberprfung der tats„chlichen Potenz von Geshichtsphilosophie und -schreibung, fr die Anerkennung ihres konstruktivistischen Charakters, die bereits Benjamin in seinem Geschichtsbegriff zu verankern versuchte, mag sein (theologisches und politiisches) Insistieren auf der individuellen Erl”sungserfahrung auch -- mit der politisichen Potenz -- zugleich die Grenzen dieser Geschichtsschreibung aufzeigen." 149-150. "Von Benja-[150]mins Hoffnung auf den historischen Materialismus hat bei Hein nicht mehr als die geschichtsphilosophisches Skepsis berlebt." 150. ". . .die Zeit des Objektiven Idealismus oder Objektiven Materialismus ist (hoffentlich) vorbei." 150-151. "Denn die Aufdeckung von Entfremdungsph„nomenen in der DDR schlieát nicht nur die Beo-[151]bachtung ein, daá auch dieser Staat sein ideologisches Ziel (seine Interpretation des alten idealistischen Telos der unentfremdeten Pers”nlichkeit) nicht erreicht hat, sondern daá in ihm darberhinaus Entfremdung mit Teils neuen, spezifisch realsozialistischen Formen der Anpassung einhergeht." 150-151. Hein not as radical in drama or prose as Mller or Johnson, respectively. 151-152. "Die gegenw„rtig vielbeschworene Žsthetik der Postmoderne hat Heins Prosa nicht erreicht. Seine Prosa reflektiert sich an keinen Mauern des Scheins einer universalen Medienkultur, ist nicht Simulation eines simulierten Lebens, sondern findet in ihrer khlen, exakt beobachtenden Sprache, die anders als etwa Volker Brauns die Debatte mit dem staatlichen Diskurs von vornherein beschneidet, einen Zugriff zu einer Eigentlichkeitsebene der DDR-Gesellschaft, vielleicht weil deren Sinnleere eben von keinem Schein mehr bertncht wird. Die Tnche der ideologischen Parolen, die die DDR ihren Brgern anstelle einer massenkulturellen Simulation angeboten hat, ist l„ngst zerbr”ckelt und l„át seit langem die nackte Mauer aus Beton erkennen, deren dieser Staat bedurft. Heins Drama dagegen ist zumindest ansatzweise mit der Žsthetik der Postmoderne verknpft. Zwar geht es auch hier nicht um das Endspiel der dekorativen Reproduktion einer zweiten Natur, die zur ersten geworden ist, wohl aber [152] lebt Heins Ideendrama von der Dekonstruktion der in seinem Staat alles beherrschenden Idee, die `hirnwtig' die Leerstelle Natur im Namen einer katechistischen Vernunft besetzt h„lt. . . . Aber auch in der komischen Dekonstruktion bleibt der Zuschauer inmitten des Mlls einer machtorientierten Ideologie in seiner sinnentleerten Welt zurck, freilich mit dem Erkenntnisgewinn, daá dieser Staat fr seine Ein- und Ausgrenzung identifizierbarer Machtstrukturen bedurfte, die weder durch Schein noch durch Ideologie zu ersetzen waren und in ihren Paradoxien die Stunde ihres Zusammenbruchs ankndigten -- nicht unbedingt ein hoffnungsloser Befund. Insgesamt ist zu betonen, daá Heins Žsthetik zu keinem Zeitpunkt von der Aufkl„rung abrckt und sich trotz allem zu ihrer Tradition bekannt." [Well, it is to turn against part of the E$nlightenment to reject the possibility of rationalism, of ideology in a positive sense. In this Hein is not so different form Mller.]